Führerscheinprüfung:

Nach nicht ganz einem Jahr in unserer neuen Heimat, haben wir uns dazu entschieden, den dominikanischen Führerschein zu "machen". Nicht etwa, weil wir uns etwas beweisen wollten, sondern rein aus versicherungstechnischen Gründen. Nachdem dies einige Bekannte mitbekommen hatten, gab es ausreichend Tipps, wie dies auch ohne Prüfung zu bewerkstelligen sei, nämlich alles "ganz easy": Man zahlt einfach einen gewissen Betrag, woraufhin alles an Unterlagen vorbereitet wird. Bei der Prüfung selbst, wird man dann von einer "Kontaktperson" in die Kabine begleitet, um zu gewährleisten, dass man die Prüfungsfragen am Computer richtig beantwortet. Das klang total unkompliziert und wir waren sehr erleichtert, so um das Lernen von spanischem Fachvokabular herumzukommen. Warum schwierig, wenn es auch einfach geht?

Nachdem wir also einen gewissen Betrag für die Organisation unseres neuen Führescheins bezahlt hatten, sollten wir diesen, zwei Wochen später, in Puerto Plata in Empfang nehmen. Puerto Plata ist die nächst größere Stadt, ca. 25km von uns entfernt.

An besagtem Tag und nach einigem umherirren, fanden wir unseren "Kontaktmann". Dieser forderte uns umgehend dazu auf, ihm zu folgen.

Er brachte uns in ein mehrstöckiges Gebäude, indem überall spielende Kinder herumliefen. Es stellte sich heraus, dass wir uns in einer Grundschule im Pausenmodus befanden. Weiter ging es durch dunkle Korridore und über zahlreiche Stufen, bis er vor einer Tür halt machte, um dreimal zu klopfen. Man hörte dahinter, dass etwas weggeschoben wurde, und ein junger Mann öffnete uns. Unsere Begleitung schob uns daraufhin

in einen Raum und wies uns an, Platz zu nehmen, bevor er ohne einen weiteres Wort zu sagen, verschwand. Vor uns saßen in einem Halbkreis eine Gruppe junger Dominikaner, die hoch konzentriert auf einen kleinen Monitor schauten, auf dem Verkehrsvideos liefen. Daneben stand eine Frau, die besagte Videos immer wieder anhielt, um dazu Fragen zu stellen. Ich fand

das ganze ziemlich witzig, nach dem Motto: "Keine Ahnung, was ich hier soll, aber ich spiel einfach mal mit", lehnte mich dazu entspannt zurück und beobachtete die Szenerie. Zwischendurch polterte es immer wieder an die Tür, weil schreiende Kinder versuchten, die Türklinke herunterzudrücken. Diese war deshalb mit einer Stuhllehne von innen gesichert. Irgendwann fragte mich mein Mann, der hinter mir saß, ob ich mir nicht ein paar Notizen machen wolle. Ich blaffte ihn an, wieso

ich mir etwas aufschreiben solle, wenn ich keine Prüfung machen müsse, worauf er ruhig aber bestimmt meinte:" Du ich glaube, wir kommen da irgendwie nicht drum herum. Das scheint hier so eine Art Crashkurs zu sein, und wir sollten uns vielleicht darauf einstellen." Da dämmerte mir, dass das hier alles nicht zum "Spiel", sondern zur Prüfungsvorbereitung gehörte, und zwar INKLUSIVE uns. Sekundenschnell war ich hellwach und in Alarmbereitschaft: "Ok, dann gehe ich jetzt oder glaubst du, ich mache heute völlig unvorbereitet eine Theorieprüfung auf spanisch?!" Und mein Mann, immer positiv denkend, antwortete mit therapeutischer Stimme:" Naja, jetzt, wo wir schon mal da sind? Wir haben doch nichts zu verlieren und mehr als durchfallen können wir ja nicht." Ich war kurz davor zu explodieren, weil ich mich gerade über die ganze Situation maßlos ärgerte. War ja klar, dass diese ach so tollen "Stammtischweisheiten" mal wieder nichts wert waren. Jeder weiß was oder meint etwas zu wissen, und am Ende passiert dann sowas!!! Oder wartete unsere "Kontaktperson" vielleicht später, unmittelbar vor der Prüfung auf uns? Daran wollte ich zumindest vorerst noch glauben. Da ich jetzt aber auch nicht einfach so aufstehen und gehen wollte, ließ ich mich zähneknirschend auf das Unterfangen ein, und begann dem Unterricht zu folgen, was sich

als ziemlich mühsam gestaltete. Die oft zweideutigen Fragesätze mit zum Teil doppelter Verneinung waren kompliziert und schwierig zu durchschauen. Dazu kam meine momentane Gemütsverfassung, die nicht gerade dabei half, mich gut konzentrieren zu können. Der einzige Vorteil war, dass sich die Videos regelmäßig wiederholten, und es ein paar "Joker" gab wie: "Krankenwagen lässt man durch", oder "bei Kühen auf der Straße darf nicht gehupt werden." Ich versuchte mir soviel wie möglich einzuprägen und nach ca. eineinhalb Stunden war der Kurs vorbei. Wir verließen den Raum und zogen in einer Karawane in das Nebengebäude um, welches sich als Führerscheinstelle herausstellte. Spätestens hier, wurden uns auch die letzten Hoffnungen eines rettenden Helfers genommen. Stattdessen empfingen uns überall Kameras im Raum und zahlreiche Hinweisschilder auf denen stand: "Keine Bestechung möglich". Deutlicher geht es ja wohl kaum und irgendwie bekam ich jetzt auch noch ein schlechtes Gewissen und fühlte mich bei "etwas" ertappt...

An der Anmeldung wurden unsere Fingerabdrücke genommen und jeder bekam ein Buch und einen Zettel mit einigen Zahlen in die Hand gedrückt. Kurz bevor uns die Bücher wieder abgenommen wurden, wurde uns klar, dass die Zahlen DIE Seiten im Buch bedeuteten, die man sich für die Prüfung durchzulesen hatte. Wiegesagt, wir erfassten es zu spät, woraufhin uns dieses Wissen bis heute verborgen blieb.

Jetzt erschien eine Dame der Behörde und wir wurden eingehend "gebrieft": Jeder Prüfling müsse vorher seine Tasche, inklusive Handy abgeben, einzeln in die Kabine gehen,

und auch innerhalb dieser Kabine sei alles videoüberwacht. Dort würde dann die Prüfung über Headset am Monitor durchgeführt werden. Sie wünschte uns schlussendlich mit motivierenden und ausladenden Gesten viel Glück, und verabschiedete sich. Ja, an dieser Stelle nochmal Dank an Diejenigen, die uns davon überzeugt haben, dass hier alles "ganz easy" ist. Wie heißt es so schön? Die Zeiten ändern sich...

Nach längerer Wartezeit ertönte meine Nummer, und ich betrat die mir zugewiesene Kabine. Dort befand sich der besagte Computer mit Headset und man musste nur noch auf "Start" drücken. Ich blickte mich ein letztes Mal hilfesuchend um aber es blieb dabei: Ich war allein. Gleich die ersten beiden Fragen hatten wir in unserem Crashkurs nicht durchgenommen, und ich konnte nur raten. Das ging ja gut los! Jetzt bloß die Ruhe bewahren und nicht vor lauter Anspannung ein "Blackout" riskieren. Glücklicherweise folgten jetzt Bilder und Situationen, die mir bekannter vorkamen und ich fasste neuen Mut. Der Ehrgeiz packte mich und die verlangten 75% der richtig beantworteten Fragen, wollte ich jetzt bitteschön auch schaffen! Zum Ende hin hatte ich ein ganz gutes Gefühl, und zurück im Warteraum, fand sich dort nach einiger Zeit auch mein Mann wieder ein. Auch er war ganz zuversichtlich und nach bangem Warten dann endlich das Ergebnis: Wir hatten mit 85% die Theorie bestanden. Freude machte sich breit und wir ließen uns ein bisschen von Denjenigen feiern, die noch ängstlich auf ihren Einsatz warteten. Nachdem die ganze Aufregung von mir abfiel, fand ich mich total toll, und freute mich mindestens genauso, wie damals nach meiner deutschen Führerscheinprüfung. Überschwänglich und erleichtert traten wir den Heimweg an. SO negativ eingestellt war ich doch vorher auch gar nicht, oder?

Nach diesem Erlebnis, wollten wir natürlich ganz sicher gehen, dass uns nicht eine ähnliche Überraschung bei der praktischen Prüfung widerfahren würde und fragten deshalb noch einmal explizit bei unserem "Führerschein-Spezial-V-Mann" nach.

Dieser versicherte uns, dass wir auf gar keinen Fall eine praktische Prüfung ablegen müssten. Es ginge nur noch darum, unseren fertigen Führerschein in Empfang zu nehmen. Drei Wochen später fuhren wir dafür mit unserem Tundra, ein eher großes Auto mit 398 PS, zur Fahrschule, wo wir bereits von einem Fahrlehrer erwartet wurden. Aber anstatt uns den Führerschein auszuhändigen, fragte er uns, wer als erster fahren wolle. Ich war kurz vor dem durchdrehen: Hier stand ich nun bauchfrei und in Flip Flops, die Haare noch nass weil gerade vom Strand gekommen, und dachte mir nur:" Das war das letzte Mal, dass ich hier auf dieser Insel nochmal irgendjemanden irgendetwas glaube." Aber es half ja nichts, und so stieg ich von unserem Tundra in einen völlig verbeulten "Matiz", ein eher kleines Auto, ein. Das entbehrte nicht einer gewissen Situationskomik aber zum lachen war ich gerade nicht aufgelegt. Mit Automatik, barfuß um den Block zu fahren, stellte sich dann aber als machbare Aufgabe heraus, und nach zwei Minuten war es geschafft. Unser Fahrlehrer gratulierte uns zur bestandenen Prüfung und nach einigen Formalitäten bekamen wir unseren dominikanischen Führerschein ausgehändigt. Ob ich stolz war? Absolut! Jetzt also Theorie UND Praxis ganz offiziell bestanden. Einfach so "besorgen" wäre für uns eben alles "zu easy" gewesen :-) Und so können wir aus voller Überzeugung behaupten, ihn aus eigener Kraft geschafft zu haben, mit all seinen Herausforderungen. Außerdem sind wir wieder um eine Erfahrung reicher, UND haben eine weitere Geschichte zu erzählen...Und ich erzähle sie gerne, auch wenn ich nicht danach gefragt werde. :-)


Ach ja: Die Antwort darauf, ob die Beispiele auf den Fotos nach der Straßenverkehrsordnung erlaubt sind oder nicht, überlasse ich Euch...:-)




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